Newsletter 06 Wirtschaftsraum CENTROPE
“Der ‚USP’ der Automotive-Region CENTROPE ist ihre Vielschichtigkeit“


Ab dem kommenden Jahr werden im erweiterten CENTROPE-Raum (in einem Umkreis von rund 300 km um Wien) jährlich rund vier Millionen Fahrzeuge die Fließbänder der großen Automobilkonzerne verlassen. Mit dem Automotive-Cluster CENTROPE wurde nun eine Kompetenzplattform geschaffen, die Synergien in Ausbildung, Forschung und Produktion bringen soll. Über Chancen und Potenziale der Region CENTROPE, sich international als Automotive-Standort zu etablieren, haben wir mit Peter Kuen vom Automotive Cluster Vienna Region gesprochen.

centrope.news: Herr Kuen, Sie sind seit zwei Jahren Clustermanager des Automotive Cluster Vienna Region. Wie erklären Sie einem Laien, was ein Cluster ist und was ein Clustermanager tut?

Kuen: Für den Begriff „Cluster“ gibt es viele unterschiedliche Definitionen. Der Automotive Cluster Vienna Region (ACVR) unterstützt als Clusterinitiative der Länder Wien und Niederösterreich die Unternehmen in der Region mit Informationen, Projekten und Veranstaltungen. Die Aufgaben des Clustermanagers sind sehr vielschichtig. Zu den schönsten zählen sicherlich die persönlichen Kontakte mit den Unternehmen. Wir besuchen jährlich mehr als 50 Partner und potenzielle Kooperationspartner aus der Branche und können direkt vor Ort über Probleme, Projekte und Erfolgsgeschichten sprechen.




centrope.news: Der ACVR besteht seit sechs Jahren, was hat sich seit der Gründung in der Region verändert?

Kuen: Der ACVR verbindet inzwischen über 100 Partner aus Wirtschaft und Forschung mit insgesamt rund 33.000 MitarbeiterInnen und 4,5 Mio. Euro Jahresumsatz in Österreich. Durch die EU-Erweiterung und die boomenden Automobilproduktionsstandorte in den angrenzenden neuen EU-Ländern Slowakei, Tschechien und Ungarn bezieht der ACVR in den letzten Jahren den gesamten CENTROPE-Raum immer intensiver in seine Arbeit mit ein. Fast 5% der weltweiten Autoproduktion findet in einem Umkreis von 300 km um Wien statt, deshalb sollen engste überregionale Kooperationen mit Autoproduzenten, Zulieferfirmen und Organisationen im Automotive-Umfeld in diesen Ländern mithelfen, den Standort CENTROPE zu sichern und gezielt Arbeitsplätze zu schaffen.

centrope.news: Ist nicht gerade die Automotive-Branche eine der global stark vernetzten Branchen? Wozu braucht es da noch regionale Netzwerke?

Kuen: Die globale Vernetzung gibt es in erster Linie auf der obersten Ebene der Zulieferbetriebe, die weltweit unmittelbar und eng mit den Automobilherstellern, den sogenannten „OEM“ (Original Equipment Manufacturer), verbunden sind. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen, die fast 90% aller Unternehmen in CENTROPE ausmachen, ist diese Vernetzung noch nicht so ausgeprägt. Für sie haben regionale Faktoren nach wie vor einen stärkeren Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit. Bei Kooperationen mit Forschungseinrichtungen vertrauen KMUs beispielsweise eher auf Kooperationspartner aus der Region, sei es aufgrund der Sprache oder auch aufgrund bereits bestehender Zusammenarbeit.

centrope.news: Was genau bedeutet in Ihrem Fall regional? Endet die Zusammenarbeit an den Bundesländergrenzen bzw. an nationalen Grenzen? Überwiegt die Konkurrenzsituation zwischen Nachbarregionen oder doch das Potential für Zusammenarbeit?

Kuen: Vorrangiges Ziel von Netzwerken im Automotive-Bereich ist es, die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln und innovative Projekte zu initiieren. Um Synergien bestmöglich zu nutzen und optimalen Know-how-Transfer zu ermöglichen, hält der ACVR permanent engen Kontakt mit Unternehmen und Organisationen im Automotive-Umfeld – national ebenso wie international. Innerhalb Österreichs und in der Region CENTROPE sind die Kooperationen auf Clusterebene bereits institutionalisiert, und der ACVR ist in die entsprechenden Organisationen eingebunden.

Um den Herausforderungen des wachsenden gemeinsamen Automotive-Markts in der Region CENTROPE gerecht werden zu können, wurde eine grenzübergreifende Kompetenzplattform etabliert, die Synergien in Ausbildung, Forschung und Produktion bringen soll: der Automotive Cluster CENTROPE. Die gemeinsam von ACVR, Automotive Cluster Western Slovakia und dem ungarischen Cluster PANAC getragene Kooperationsplattform unterstützt seit dem Frühjahr 2007 den Know-how-Transfer zwischen den Partnerfirmen der einzelnen Cluster sowie eine weitere Qualifizierung der Unternehmen in der Region und koordiniert gemeinsame Förderprojekte. So wird etwa gemeinsam mit Ungarn ein Benchmarking-Projekt durchgeführt, um den Unternehmen eine Standortbestimmung zu erleichtern.



centrope.news: Gibt es einen gemeinsamen USP am Automotive-Standort CENTROPE?

Kuen: Der gemeinsame USP ist wahrscheinlich – obwohl es vielleicht paradox klingt – gerade die Vielschichtigkeit der Automotive-Region CENTROPE: noch niedrige Löhne, eine hohe Innovations- und Finanzkraft, top ausgebildete Leute – und das alles auf engstem Raum.

centrope.news: Was sind Ihre Zielmärkte?

Kuen: Für die erweiterte Region CENTROPE steht für uns vor allem das Ansprechen von Unternehmen in Südkorea und Frankreich im Fokus – mit dem Ziel einer Ansiedlung vor Ort oder um sie zumindest für Kooperationen zu gewinnen. Automobilhersteller aus Frankreich und Südkorea sind nämlich mit Produktionswerken in dieser Region vertreten. Aber auch die Märkte Russland und Ukraine haben für Zulieferer großes Potential, deshalb sind wir auch in diesem Bereich aktiv.

centrope.news: Wie schätzen Sie das Potenzial der Region CENTROPE ein, sich international als Automotive-Standort zu positionieren?

Kuen: An sich ist die erweiterte Region CENTROPE international bereits als Automotive-Standort etabliert. Allein die Slowakei ist auf dem besten Weg zum fünftgrößten Autoproduzenten der Welt hinter den USA, Japan, China und Deutschland zu werden. Aufgrund des USP ist CENTROPE eine weltweit nahezu einmalige Region.

centrope.news: Herzlichen Dank für das Gespräch!



Weiterführende Links
Automotive Cluster CENTROPE
Automotive Cluster Vienna Region (ACVR)
Pannon Automotive Cluster (PANAC)
Auto-Cluster Westslowakei


Fotos:
© Automotive Cluster Vienna Region
© PANAC



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