Newsletter 06 Wirtschaftsraum CENTROPE
”Clusterland” CENTROPE


Kaum eine Region in Europa, die wirtschaftspolitisch nicht auf Cluster setzt. Die zahlreichen Clusterinitiativen in CENTROPE unterscheiden sich zwar, was ihre inhaltlichen Ausrichtungen, Strukturen oder Finanzierungsquellen betrifft – die Ziele aber sind dieselben: Netzwerke mit Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung zu knüpfen, um vorhandene Stärken in der Region zu bündeln und weiterzuentwickeln.

„Auf Cluster setzen“ bedeutet nichts anderes als die Vernetzung von Unternehmen, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie öffentlicher Verwaltung rund um ein Thema oder eine Branche. Klein- und Mittelbetriebe lernen und entwickeln in Kooperation wofür sie allein keine Zeit oder kein Geld hätten. Forschungseinrichtungen finden Zugang zu Unternehmen für anwendungsorientierte Forschungsprojekte. Großunternehmen treffen auf geeignete regionale Zulieferer, und gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung werden Ausbildungsbedarf und -angebot abgestimmt. Soweit die Ziele und Erwartungen. Wie Clusterinitiativen zu strukturieren und zu finanzieren sind, dazu findet man in der Region CENTROPE unterschiedliche Ansätze.


Cluster als wirtschaftspolitisches Instrument

Clusterinitiativen tragen zur (Weiter-)Entwicklung von regionalen Spezialisierungen bei. Für den globalen Wettbewerb müssen vor allem auch größere, grenzüberschreitende Stärkefelder aufgebaut werden. Die Europäische Kommission unterstützt mit der Initiative „PRO INNO Europe“ daher Netzwerke von Clusterregionen – sogenannte INNO-Nets – in denen regionale oder nationale Clusterpolitik grenzüberschreitend abgestimmt und gemeinsam weiterentwickelt wird. Die CENTROPE-Teilregionen sind, mit Ausnahme Wiens und des Burgenlands, im CEE-ClusterNetwork vertreten und erarbeiten z.B. gemeinsame Aktivitäten zur besseren Vernetzung von Forschung und Wirtschaft oder Marketing auf Drittmärkten.

Ob Cluster über öffentliche Gelder finanziert werden, ist unterschiedlich geregelt. Als Finanzierungsquellen kommen Mitgliedsbeiträge der Clusterpartner genauso in Frage wie Sponsorengelder und Mittel aus regionalen, nationalen oder europäischen Fördertöpfen. In Tschechien wurden beispielsweise Projekte zu Aufbau und Abwicklung von Clustern in bestimmten Stärkefeldern öffentlich ausgeschrieben. Mindestens 15 Unternehmen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sowie Regionalentwicklungsorganisationen konnten sich als Gruppe bewerben. Bis Juni 2008 sind Aktionspläne zu erarbeiten, ist ein Clustermanager zu etablieren und ein gemeinsames Büro einzurichten. Das tschechische Modell verlangt von den beteiligten Unternehmen viel Engagement und vor allem Eigeninitiative. Kosten des Clustermanagements werden im ersten Jahr zu 75%, im zweiten zu 65% und im dritten zu 55% öffentlich finanziert.

In Niederösterreich hingegen sind die Clustermanagements direkt in der Wirtschaftsagentur des Landes angesiedelt und agieren als Drehscheibe zwischen ihren je 80-190 Partnern aus Wirtschaft und Forschung und den verschiedenen Landesstellen. Die Finanzierung ist auch hier befristet, ein möglichst hoher Selbstfinanzierungsanteil steht jedoch weniger im Vordergrund. Die strategische wie fachliche Einbindung der Unternehmen erfolgt über regelmäßig zusammenkommende Beiräte.

22 Clusterinitiativen gibt es derzeit in CENTROPE. Die Schwerpunkte lassen sich grob in die Bereiche Automotive/Mechatronik/Kunststoff, nachhaltig Bauen und Wohnen/Holz/erneuerbare Energie/Umwelt und Gesundheit/Life Science/Well-being/Gesundheitstourismus aber auch in Querschnittsbranchen wie Informations- und Kommunikationstechologien (IKT) oder Design zusammenfassen.



Die Pioniere …

Als erster in der Region CENTROPE wurde im Jahr 2001 der Pannon Automotive Cluster (PANAC) in Westungarn gegründet. Der Automotive-Sektor ist eine der wichtigsten Branchen in Ungarn. Győr war schon zu Zeiten des COMECON Zentrum der Busproduktion, und so haben nach der Wende die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Fachkräften sowie relativ geringe Lohnkosten zur Ansiedlung von Automobilkonzernen wie Opel oder Audi geführt, die den Sektor nach wie vor dominieren (auch wenn die Zahl der innovativen Klein- und Mittelbetriebe steigt). Die Szechényi-Universität Győr setzt ebenfalls mit ihrem Regionalen Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik auf Kooperation zwischen Wirtschaft und Forschung. Aufgabe des PANAC, bei dessen Aufbau von Anfang an auch nationale und internationale Großunternehmen eingebunden waren, ist die Integration des ungarischen Automotive-Marktes, d.h. das Zusammenführen des Bedarfs der internationalen Konzerne und des Angebots der nationalen Zulieferer durch Qualifizierungs- und Benchmarking-Aktivitäten.

PANAC hat seine Erfahrungen auch in den Automotive Cluster CENTROPE eingebracht, einer grenzübergreifenden Automotive- und Logistik-Plattform für die gesamte Region CENTROPE.


... und die „jungen Automotiven“ in CENTROPE.

Die slowakische Automotive-Industrie hat in den letzten 15 Jahren einen unvergleichlichen Boom erlebt. Im Jahr 2006 wurden hier 744.600 Autos produziert, 2008 soll laut Angaben der slowakischen Wirtschaftszeitung Hospodárske Noviny die PKW-Jahresproduktion in der Slowakei die magische Zahl von 1.000.000 Fahrzeugen erreichen. Die Slowakei wird dadurch eines der führenden Länder, was den Anteil der produzierten Automobile pro Kopf betrifft. Als erster internationaler Konzern hat Volkswagen 1991 in der Slowakei investiert, 2006 folgten Peugeot und KIA.

Der derzeit laufende Aufbau des Auto-Clusters Westslowakei – die erste slowakische Clusterinitiative – hat nun das Ziel, die regionalen Automotive-Zulieferer näher an Großkonzerne heranzuführen und Schritt für Schritt ihre Wettbewerbschancen in der Slowakei wie auch international zu stärken. Durch die Vernetzung der Betriebe können gemeinsam Vertriebskanäle und Infrastruktur genutzt, aber auch Arbeitskräfte akquiriert und neue Technologien und Forschungsergebnisse erschlossen werden. Die Arbeitsteilung und Spezialisierung der Unternehmen trägt außerdem zur Kostenreduktion bei.

Der Auto-Cluster Westslowakei war von Anfang an grenzüberschritend vernetzt. Die erste Phase des Aufbaus wurde aus einem INTERREG IIIA Projekt finanziert. Die seither bestehende Kooperation mit dem Automotive Cluster Vienna Region sowie der Erfahrungsaustausch in CENTROPE und ganz Europa, werden in Zukunft weiter intensiviert.


Cluster bündeln vorhandene Stärken …

„Mit einer Hand lässt sich kein Knoten knüpfen“. Diese mongolische Weisheit gilt auch für Anbieter moderner Technologien und Dienstleistungen aus der Informations- und Telekommunikationsbranche (IKT). Wien hat sich in den letzten Jahren zur IKT-Hauptstadt Mitteleuropas entwickelt und wurde von zahlreichen multinationalen Unternehmen als Sitz der Firmenzentralen für Aktivitäten auf dem zentral- und osteuropäischen Markt gewählt. Rund drei Viertel des Gesamtumsatzes der IKT-Branche Österreichs wird von Unternehmen erwirtschaftet, die ihren Sitz in der Bundeshauptstadt haben. Am Standort Wien haben sich über 8.000 Betriebe aus dem IKT-Bereich angesiedelt. Die überwiegende Mehrheit davon sind KMU, die sich in interessanten Nischen mit teils bemerkenswerten Marktanteilen etablieren konnten. Obwohl kleine und mittlere Unternehmen aufgrund ihrer Größe oftmals flexibler und rascher agieren können, haben sie in Bereichen wie Internationalisierung, Marketing und Vertrieb vielfach mit Nachteilen zu kämpfen. Der Ausweg heißt Kooperation, auch für IKT-Unternehmen, die Branche der „Einzelkämpfer“.

Das Wiener IKT-Netzwerk Vienna IT Enterprises (VITE) verbindet Unternehmen, Forschungs-, Entwicklungs- und Bildungseinrichtungen zu leistungsfähigen Kooperationen und stellt seinen Mitgliedern ein umfangreiches Service zur Verfügung. Vorrangiges Ziel von VITE ist es, innovative Projekte zu initiieren, vorhandene Kompetenzen zu vernetzen und die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit einzelner Mitglieder zu stärken. Mittlerweile zählt das VITE-Netzwerk 130 Partner aus den unterschiedlichsten Ecken der IKT-Branche. Die Mehrheit der Partnerunternehmen sind KMU, aber auch Global Player wie Microsoft und Seibersdorf Research sind im Netzwerk vertreten.

VITE hat auch erste Maßnahmen ergriffen, um die internationale Kooperation im IKT-Sektor mit den direkten Nachbarn zu fördern. IKT-Technologien haben innerhalb der Region CENTROPE nach wie vor unterschiedlich hohe Stellenwerte und Einsatzbereiche. Durch das IT-CENTROPE-Netzwerk soll nun der Know-how- und Technologietransfer, eine intensivere wirtschaftliche Kooperation, die Zusammenarbeit für Ausschreibungen und Projekte, die Erschließung neuer Absatzmärkte und die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung gefördert werden.



… lassen sich flexibel weiterentwickeln …

Die sich laufend ändernden Anforderungen der Wirtschaft verlangen auch eine flexible Anpassung der Clusterthemen. Wie sich eine Clusterinitiative entsprechend weiterentwickeln kann, zeigt der niederösterreichische Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich. Die Neupositionierung dieser Clusterinitiative erfolgte 2007 durch die Zusammenlegung des Holz-Clusters und des Ökobau-Clusters Niederösterreich. Der Bau.Energie.Umwelt Cluster deckt nun den gesamten Bereich des nachhaltigen Bauens und Wohnens ab.

Mit 190 Partnern ist der Bau.Energie.Umwelt Cluster der größte in der Region CENTROPE.
Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Altbausanierung und Passivhausqualität sowie Wohnkomfort. Die Aktivitäten werden sukzessive um die Themen erneuerbare Energie und Umwelttechnik ausgeweitet. Im Rahmen des Bau.Energie.Umwelt Clusters bzw. seiner beiden Vorgänger wurden seit 2001 rund 150 Projekte durchgeführt bzw. laufen derzeit.


… und besinnen sich alter Traditionen.

Beim Aufbau des Clusters tschechischer Möbelhersteller in Brno wurde eine alte tschechische Tradition wieder belebt: die Möbelindustrie. Die ersten Fabriken entstanden im 19. Jahrhundert, vor allem in Brno, Korycany und Bystrice pod Hostynem, sie bestehen zum Teil noch heute. Nach dem 2. Weltkrieg bis in die späten 1980er Jahre wurden in Tschechien Möbel für ganz Osteuropa produziert. Nach dem Einbruch dieser Absatzmärkte fiel die Umstellung weg von der Serienherstellung möglichst preisgünstiger Massenware nicht leicht. Was blieb, waren qualifizierte Fachkräfte und relativ niedrige Löhne sowie ein langsamer Aufholprozess durch technische Modernisierung in den Betrieben.

Mähren ist bis heute das Zentrum tschechischer Möbelproduktion. 40% aller tschechischen Möbel werden hier hergestellt. Der Cluster tschechischer Möbelhersteller in Brno ist mit seinen 35 Partnern einer der größten in der noch jungen Clusterlandschaft Tschechiens. Neben den oft genannten Zielsetzungen Wirtschaftsentwicklung, Innovation und Schaffung von Arbeitsplätzen leistet man hier auch explizit einen Beitrag zur Senkung der Umweltbelastung durch die Einführung umweltfreundlicher Technologien. Klare Zielsetzung des Clusters ist die Steigerung des Exports, vorrangig nach Kanada, Russland, in die Ukraine und die deutschsprachigen Länder. Marketingstrategien und -instrumente, wie ein mehrsprachiger Produktkatalog oder ein gemeinsames e-shop System sind derzeit in Entwicklung.



Weiterführende Links
PRO INNO Europe
Pannon Automotive Cluster (PANAC)
Automotive Cluster CENTROPE
Automotive Cluster Vienna Region (ACVR)
Vienna IT Enterprises (VITE)
Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich
Möbelcluster Brno


Fotos:
© ecoplus / Christian Holzheu
© JUG_06
© Cluster der Tschechischen Möbelbauer
© WWFF


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